Grundlagen

Grundlagen zur Theologie und Mystik der Hl. Gertrud von Helfta

5.) Legende

  1. Der vorliegende Beitrag stammt aus der Zeitschrift „Geist und Leben“, 77. Jg. Heft 6 (2004), 444-456; für die Arbeitshilfe wurde er leicht gekürzt (besonders im Bereich der Fußnoten) und überarbeitet.
  2. Neben der lateinisch-französischen Ausgabe in den Sources Chrétiennes (N0 127, 139, 143, 255, 331. 1967-1986) gibt es verschiedene deutsche Übersetzungen. Im Folgenden werden verwendet: Gertrud von Helfta: Gesandter der Göttlichen Liebe. Übersetzt von J. Lanczkowski. Heidelberg 1989 (= Legatus); Gertrud von Helfta: Exercitia Spiritualia – Geistliche Übungen. Hg. von S. Ringler. Elberfeld 2001 (= Exercitia).
  3. Häufig wird diese Textstelle allein auf die Sündenvergebung bezogen (vgl. Gertrud J. Lewis: Das Gottes- und Menschenbild im Werk der mittelalterlichen Mystikerin Gertrud von Helfta, in: Geist und Leben 63 (1990), Heft 2, 53-69). Allerdings ist zu bedenken, dass hier im Rückbezug auf Jeremia eine prophetische Berufung zur Sprache kommt. Diese Berufung bezieht sich nicht allein auf die Sündenvergebung, sondern auf die Lebensmacht des Gotteswortes im Mund des Propheten / der Prophetin.
  4. Bischof Joachim Wanke (Erfurt) stellt zur pastoralen Situation fest: „Zu den grundlegenden Hemmnissen für eine missionarische Präsenz des Evangeliums in der Profangesellschaft gehört die verbreitete Unfähigkeit vieler Christen, ihrem Glauben eine überzeugende ‚Sprachgestalt‘ zu geben.“ (Joachim Wanke: Das Evangelium auf den Leuchter Stellen. Überlegungen zur missionarischen Präsenz der Kirche in der Gesellschaft, in: Manfred Entrich; Joachim Wanke (Hg.): In fremder Welt zu Hause. Anstöße für eine neue Pastoral. Stuttgart 2001, 25.) Er benennt die Sprachlosigkeit und schlägt „vermehrt ermutigende und begleitende Hinführungen zu einer neuen bzw. vertieften religiösen Sprach- und Zeichenkompetenz für die heutige Zeit“ vor.
  5. Siegfried Ringler: Einführung, in: Gertrud von Helfta: Exercitia Spiritualia, 26.
  6. Vgl. Michael Bangert: Demut in Freiheit. Studien zur Geistlichen Lehre im Werk Gertruds von Helfta. Würzburg 1997, 25.
  7. Max Wehrli: Geschichte der deutschen Literatur im Mittelalter. 3. Aufl. Stuttgart 1997, 53.
  8. George Duby: Die Zeit der Kathedralen. Kunst und Gesellschaft 980-1420. Übersetzt von Grete Osterwald. 4. Aufl. Frankfurt 1997, 205. Vgl. auch Vgl. P. Dinzelbacher: Mittelalterliche Frauenmystik. Paderborn: Schöningh 1993; McGinn, Bernard: Die Mystik im Abendland, Bd. III: Blüte – Männer und Frauen der neuen Mystik (1200-1350), Freiburg i.Br. 1999.
  9. Vgl. Keul, Hildegund 2004: Verschwiegene Gottesrede. Die Mystik der Begine Mechthild von Magdeburg. Innsbruck: Tyrolia.
  10. „Durch das Wort Jahwes wurden die Himmel geschaffen, ihr ganzes Heer durch die Ruach seines Mundes.“ (PS 33,6) Im Buch Hosea wird der Prophet „Mann Ruachs“ genannt (Hos 9,7). – Zur Bedeutung von ruach als göttlichem Lebensgeist und Atem vgl. Silvia Schroer; Thomas Staubli: Die Körpersymbolik der Bibel. Darmstadt 1998, 243-247.
  11. Die Frage nach dem Sakrament des Wortes hat im 20. Jh. besonders Karl Rahner aufgegriffen. Er schreibt: „Ausgangspunkt sei die theologische Eigenart des in der Kirche als eschatologischer Gegenwart Gottes gesprochenen Wortes“ (Karl Rahner: Was ist ein Sakrament?, in: Ders.: Schriften zur Theologie. Bd. 10. Einsiedeln 1972, 378); sein Ziel ist „eine entfaltete Theologie des Wortes“ als Grundlage einer Sakramententheologie, die das Sakrament als Wortereignis Gottes begreift.
  12. In der 6. Übung (Exercitia S. 163, Z. 22) heißt es: „Tu mir auf die gnädige Huld, so überaus süß, in der ich meinen Frieden finde in dir; sie mache heiter meine Seele, und in deinem Lobpreis löse sie meine Zunge.“ Die Huld Gottes verkörpert sich im befreienden Wort, das Gott zur bedrängten Seele spricht.
  13. Der 11. September 2001 hat dies auf äußerst schmerzliche Weise vor Augen geführt. – Gerade wegen dieser Gefahr ist es bemerkenswert, dass nicht Gertrud selbst, sondern ihre Mitschwestern den Bericht von ihrer prophetischen Berufung überliefern (Legatus I). Sie selbst geht sehr vorsichtig damit um, denn sie weiß, mit welcher Macht sie es zu tun hat. Das Gotteswort gibt nicht Privilegien und eröffnet keinen Personenkult, sondern es überwindet tödliches Verstummen.
  14. Gnädinger, Louise (Hrsg.), Caterina von Siena. Gottes Vorsehung, München 1989, 250 und 253, zit. nach: Muschiol, Gisela, „Den Weinberg der Seele bebauen“. Seelsorge vom Mittelalter bis zur Gegenwart, in: Pemsel-Maier, Sabine (Hrsg.) 2001: Zwischen Alltag und Ausnahme: Seelsorgerinnen, Geschichte, Theologie und gegenwärtige Praxis, , Ostfildern: Schwabenverlag, 58–80, hier 58.
  15. Keul, Hildegund: Eia, Liebe, nun laß dich wecken! Das Hohelied und die Anrufung des weiblichen Begehrens in Mechthild von Magdeburgs „Fließendem Licht der Gottheit“, Orginalmanuskript der Autorin, 6, Anm. 20, veröffentlicht wurde es in Bibel und Liturgie 70/2, 105-114.
  16. Ich benutze die zweite neubearbeitete Übersetzung mit Einführung und Kommentar von Margot Schmidt (MyGG I/11), Verlag frommann-holzboog, Stuttgart 1995.
  17. Keul, Hildegund 1998; Das Hohelied der Minne: Eine Entfesselung des weiblichen Begehrens, S. 97-111 in: Bangert, Michael/Keul, Hildegund, „Vor dir steht die leere Schale meiner Sehnsucht“. Die Mystik der Frauen von Helfta, Leipzig :Benno. 109f.
  18. Leiber, Marion 1992: Seelsorge mit Frauen: Was wollen sie - was bekommen sie? Thesen für eine frauenorientierte Seelsorge aufgrund der Ergebnisse einer Umfrage: Lebendige Seelsorge 43, 226–229, hier 228.
  19. Zitiert nach: 1. Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft Frauenseelsorge zu: „Studien und Entwürfe zur Meßfeier. Texte der Studienkommission für die Meßliturgie und das Meßbuch, Freiburg 1995, beschlossen bei der Jahrestagung 23.-26. Januar 1996 in Würzburg, 2.
  20. Bangert, Michael, „Die Schule der Liebe“. Gertrud von Helfta, in: Geist und Leben. H 1, Jan./Febr. 2002, 47–60, Anm. 7, zu Exercitia, Übersetzung Sources Chrétiennes, Paris 1967–1986, 192.
  21. Keul, Hildegund/Annette Schleinzer (Hg.) 2002: In deiner Liebe erschaffe mich neu. Spirituelle Impulse zu Gertrud von Helfta. Leipzig: Benno, 9.
  22. Legatus III. Lxxi, 2,2ff., III, Lxii, 1.11f, IV, v, 4,13ff. vgl. Gertrud Jaron Lewis, Das Gottes- und Menschenbild im Werk der mittelalterlichen Mystikerin Gertrud von Helfta, in: Geist und Leben, 63 (1990), 53-69.
  23. Grimes, Laura zu Bedeutung der Liturgie im Werk Gertruds von Helfta. In: Bangert, Michael/Keul, Hildegund (Hg.): „Vor dir steht die leere Schale meiner Sehnsucht. Die Mystik der Frauen von Helfta, Benno-Verlag, Leipzig, 1998, 68–80, übersetzt von Elisabeth Bullmann Flores.
  24. Bangert, Michael: 1997: Demut in Freiheit. Studien zur Geistlichen Lehre im Werk Gertruds von Helfta. Würzburg: Echter.