Kurzbiografie

Die heilige Gertrud von Helfta – Leben und Werk der Mystikerin
Zusammengestellt von Hildegund Keul

Gertrud von Helfta war eine visionäre Mystikerin. Ihre Mitschwestern beschreiben sie als geistesgegenwärtig und humorvoll, zupackend und sensibel. Nur selten war sie um ein hilfreiches, manchmal strenges Wort verlegen. Sie konnte einen Ausweg aus der Sackgasse zeigen und Mut machen für den nächsten Schritt. Mit Leib und Seele eine Seelsorgerin, hat sie sich in den Dienst der Menschen gestellt, die damals im Kloster Helfta Beistand suchten. Auch in ihren Werken macht sich Gertrud dem Geheimnis des Lebens auf die Spur, das den grauen Alltag in den Farben des Lebens aufleuchten lässt und das in den Brüchen des Lebens die verborgenen Zeichen der Hoffnung entdeckt.

  1229 Gründung des Klosters St. Marien zu Helfta bei Burg Mansfeld; mehrmalige Verlegung, 1258 Niederlassung in Helfta.
  1256 Geburt Gertruds (Ort unbekannt).
  1261 Beginn ihres Lebens im Kloster St. Marien zu Helfta. Besuch der Klosterschule, die die Mystikerin Mechthild von Hackeborn (1241-99) leitet. Gertrud lernt lesen und schreiben, die lateinische Sprache und das Psalmensingen; sie wird in die Grundlagen der damaligen Wissenschaft, die sieben freien Künste und die Theologie eingeführt. Ihre Mitschwestern bezeichnen sie später als Theologin („theologa“).
Leitwort der Äbtissin (1251-91) Gertrud von Hackeborn: „Wenn das Studium der Wissenschaft verloren geht, so wird auch die Ausübung der Religion aufhören, da die Schwestern dann die heilige Schrift nicht mehr begreifen.[1]
  1270 Ankunft der Begine Mechthild von Magdeburg (etwa 1207-94) im Kloster Helfta. Wahrscheinlich hat die junge Gertrud die alte Frau bei der Niederschrift ihres letzten, siebten Buchs von „Das fließende Licht der Gottheit“ unterstützt.
  1281 Erste Christusvision, Bekehrung zur Mystik: Die Seelsorgerin macht sich im menschlichen Alltag und Elend dem Geheimnis des Lebens auf die Spur.
In den nächsten Jahren übersetzt Gertrud Teile der Bibel, verfasst zahlreiche Gebete und schreibt mit Unterstützung ihrer Mitschwestern die Bücher „Gesandter der Göttlichen Liebe“ und die „Exercitia spiritualia“. (Im „Legatus divinae pietatis“ beschreibt Gertrud in Buch II ihre Berufung zur Mystik und ihren Weg als Seelsorgerin mit eigenen Worten. Die Bücher III, IV und V hat eine anonyme Mitschwester nach Gertruds Vorgaben aufgezeichnet. Buch I wurde nach Gertruds Tod von einer oder mehreren Mitschwestern verfasst und gibt Visionen Gertruds wieder, wie sie im Kloster erzählt wurden.)