Anregungen für die Praxis

3. Ein Frauenkreuzweg nach dem Matthäusevangelium mit Impulsen von Gertrud von Helfta
zusammengestellt von Irene Löffler

Vorbemerkung:

Diesen Kreuzweg habe ich erstellt, um Frauen heute, 2005, den Weg Jesu bewusst werden zu lassen. Dabei sind mir die Exerzitien von Gertrud von Helfta in der letzten Fastenzeit ein wertvolles Hilfsmittel geworden. Anregungen dazu hat mir Siegfried Ringler gegeben, der diese Exerzitien neu übersetzt hat. Ich erlaube mir hier dem Duktus der Gedanken Gertruds und den Anregungen zur Übersetzung von Siegfried Ringler zu folgen, jedoch die Gedanken Gertruds für heutige Frauen zu formulieren.
Aus diesem Grund sind die Stationen der Theologie von Gertrud von Helfta angepasst.

Es ist zuvor nötig, eine kurze Einführung in die Theologie Gertruds zu geben. Nach ihr ist Sünde ein Mangel, ein Mangel an Gutem, das der Mensch, Frau und Mann, Gott als Schöpfer schuldet. Das Böse ist also ein Nichtsein, deshalb tilgt Gott das Böse nicht, sondern füllt es auf und macht wieder gut. Dies geschieht durch das, was Jesus getan hat, indem er gestorben ist. Jesus – Gott ist für Gertrud das liebende und barmherzige Gegenüber. Mit ihm zu leben, sich nach der Vereinigung mit Gott zu sehnen, ist reinigend für die Menschen: „Die Sehnsucht der Gottesliebe ist wirksamer als die Kasteiung.“ (Hgg. und kommentiert von Siegfried Ringler. Elberfeld 2001: Exercitia Spiritualia, Kommentar 335).

Zum Umgang mit diesem Kreuzweg:

  • Anweisungen sind kursiv gedruckt
  • Die Lektorin 1 liest bei jeder Station erst die Überschrift und dann die Bibelstelle
  • Die Lektorin 2 liest alle meditativen Elemente – hier ist es wichtig, die Anweisungen wie z.B.

    * „Stille“ ernst zu nehmen und dafür Zeit einzuplanen
  • Die Lektorin 3 liest die Texte von Gertrud von Helfta:
    * diese Texte müssen für alle kopiert werden
    * bei der Einführung bitte darauf hinweisen, dass die Lektorin zuerst den Text von
    Gertrud von Helfta vorliest, bevor ihn alle gemeinsam lesen
    * die Texte, die alle lesen, haben wir am Ende des Kreuzwegs als Kopiervorlage abgedruckt
  • Erklären Sie vor Beginn des Kreuzwegs, dass es bei der ersten Station eine Salbung gibt. Dafür benötigen Sie Salböl (bitte beachten Sie, dass manche Frauen auf Duftöle allergisch reagieren und wählen Sie möglichst neutrales Öl). Die Frauen können sich salben, indem sie z.B. der Nachbarin mit dem Daumen ein Kreuz in die Handfläche oder ein Kreuz auf die Stirn zeichnen
  • 7. Station: für diese Station benötigen Sie eine große leere Schale

Kreuzweg

Lektorin1 (liest die Überschrift und anschließend die Bibelstelle)
1. Station: Die Salbung in Bethanien, Mt 26, 6–13

Der letzte Satz wird noch einmal wiederholt:
„Amen: Ich sage euch: Überall auf der Welt, wo dieses Evangelium verkündet wird, wird man sich an sie erinnern und erzählen, was sie getan hat.“ (Mt 26, 13)

Lektorin 2

Die Frau, die Jesus den Kopf salbt, bleibt hier namenlos. Sie ist in der Christentumsgeschichte sowohl mit Maria von Bethanien als auch mit Maria von Magdala gleichgesetzt worden. Sie übergießt mit kostbarem Öl Jesu Haar. Die Jünger regen sich darüber auf und sagen, dass sie das Geld für das kostbare Öl und das Alabastergefäß lieber den Armen hätte geben sollen. Jesus verteidigt die Frau und sagt, dass sie Arme immer bei sich haben, ihn aber nicht.

„Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Als sie das Öl über mich goss, hat sie meinen Leib für das Begräbnis gesalbt“. (Mt 26, 10.12)

Wir fragen uns: Ist es mir auch schon einmal passiert, dass ich verteidigt wurde wegen einer Handlung oder Aussage, für die ich von anderen kritisiert wurde? Wie ging es mir damit?

Stille

Die Theologin Elisabeth Schüssler Fiorenza hat eines ihrer Bücher nach dieser Frau genannt: „Zu ihrem Gedächtnis“. Wie geht es uns mit dem Gedanken, dass an unsere Namen nicht mehr erinnert wird? Auf einem Grabstein, den ich auf einem Friedhof in Berlin gesehen habe, stand: Für unsere geliebte Frau, Mutter und Großmutter. Den Namen hatten sie nicht eingefügt.

Stille

Die Schreiber/innen des Matthäusevangeliums haben Jesus etwas anderes sprechen lassen:
„Amen: Ich sage euch: Überall auf der Welt, wo dieses Evangelium verkündet wird, wird man sich an sie erinnern und erzählen, was sie getan hat.“ (Mt 26, 13)
Wenn ich darüber nachdenke, dass andere sich an mich erinnern – was wäre mir dann wichtig?

Stille

Im Johannesevangelium erkennt Maria von Magdala Jesus als Auferstandenen als er sie anruft: Maria!
Auch mir tut es gut, bei meinem Namen genannt zu werden. Jesus ruft mich an, wie er damals Maria angerufen hat.

Stille

Nehmen wir uns Zeit und denken an die namenlose Frau:

Wir beten:
Gott, in der Geschichte der Christenheit ist der Name der Frau verloren gegangen, die Jesus den Kopf gesalbt hat. Jesus sagt von ihr: Sie hat mich für mein Begräbnis gesalbt. Durch die Geschichte der Kirche hindurch bis heute bereiten viele Frauen Tote auf ihr Begräbnis vor. Auch ihre Namen werden oft nicht genannt. Lasst uns ihrer gedenken.
Jesus, lass in der Stunde unseres Todes Menschen mit uns sein, die mit uns diesen letzten Weg gehen. Lass uns selbst gute Wegbegleiterinnen in Todesstunden sein. Steh uns bei auf all unseren Wegen, auf diesem Weg und auf unserem letzten Weg. Amen

Lektorin 3 (liest einmal vor – dann wiederholen alle den Text)

Wir beten mit Gertrud von Helfta:
„Öffne mir das Salbgefäß, das bei dir hinterlegt ist, der Liebe Alabasterfläschchen: durch seinen Duft, der Leben ist, soll es aufwecken meinen Lebensgeist, der durch so vieles taub geworden ist.“
Die Frauen salben einander mit Öl und sprechen dabei folgenden Text, der auch auf dem kopierten Textblatt abgedruckt ist:

„Meine Sinne, salbe sie ganz und gar, dass ich ganz mich wandle. Wecke meine Lebensgeister aus ihrer Mattheit und Betäubung, so wie in der Zeit des Frühlings die unfruchtbare Erde sich wandelt und neu wird“. [7. Buch 221, 184-190]

Lektorin 1 (liest die Überschrift und anschließen die Bibelstelle)
2. Station: Die Vorbereitung des Passahmahles, Mt 26, 17–19
Lektorin 2:

Im Judentum ist das Passahfest das höchste Fest des Jahres. Auch wir bereiten uns auf das christliche Fest vor. Unser Osterfest hat als Wurzel das Passahfest.

Jesu gibt den Ort vor, an dem das Fest stattfinden soll. Er schickt die Jünger, vielleicht auch die Jüngerinnen voraus, um alles entsprechend herzurichten: „Die Jünger machten sich auf den Weg und kamen in die Stadt. Sie fanden alles so, wie er es ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Passahmahl vor.“ (Mt 26, 19)

Auch wir machen uns auf den Weg.
Wo bin ich heute losgegangen?
Wie bin ich heute losgegangen?
Was habe ich hier vorgefunden?

Stille

Was brauche ich, um mich für ein Fest zu bereiten?

Wir beten:
Jesus, nicht immer haben wir einen Ort, an dem wir bei uns selbst sein können. Der Alltag nimmt uns in die Pflicht - wir lassen uns in die Pflicht nehmen. Doch um ein Fest feiern zu können, brauchen wir Ruhe. Wir brauchen Vorbereitung. In dieser Fastenzeit nehmen wir uns Zeit, uns innerlich und äußerlich auf deinen Tod und deine Auferstehung vorzubereiten. „Das eine nur ist notwendig“ hat Jesus zu Maria und Martha gesagt. Gib uns die Kraft zu erkennen, was für uns und die Menschen, mit denen wir leben, not-wenig ist und schenke uns die Stärke es zu tun.

Lektorin 3 (liest einmal vor – dann wiederholen alle den Text)

Wir beten mit Gertrud von Helfta:

„O innige Liebe, mir … bereite du in dir einen Platz, an dem ich finde Rat, ein Nest der Zuflucht, wo … mein Geist und Atem entspannt zur Ruhe kommen kann“. [7.Buch, 229, 314 – 316]
„Hier stehe ich und habe an Verdiensten … großen Mangel: siehe, ich komme nun, ich komme, … öffne mir die Stätten, wo ich bei dir sicher wohne …“ [7.Buch, 213, 33, 40.]

Lektorin 1 (liest die Überschrift und anschließend die Bibelstelle)
3. Station: Das Passahmahl, Mt 26, 26–29
Lektorin 2:

Jesus feiert mit seinen FreundInnen ein jüdisches Passahfest. Er gibt dem was er tut seine eigene Deutung. „Das ist mein Leib“ und „Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden“. (Mt 26, 22.24)

In der Pessah Haggada von Rabbiner Michael Shire gibt es Kommentare, die den Feiernden erklären, was sie tun. [Die Pessach Haggada. Hgg. und kommentiert von Rabbiner Michael Shire. Mit Illustrationen aus Handschriften der Britisch Libery. Jüdische Verlagsanstalt Berlin, 2001.]
Dort heißt es, z.B.: „So wie fünfzehn Stufen zum Tempel hinaufführten, so führen wir heute Abend fünfzehn Rituale durch, die uns zur Heiligkeit leiten.

Zur Liturgie des Passahfestes gehört es, Fragen zu stellen. Dazu erklärt der Rabbiner Michael Shire: Fragen zu stellen ist ein Zeichen der Freiheit: der Freiheit zu erforschen und zu entdecken. Wenn Fragen gestellt werden, kann jeder und jede für sich entdecken, welche Bedeutung das Passahfest für einen selbst hat.

Ein Mahl auf einem Weg ist eine Stärkung. Auf unserem Weg mit Gott sind uns die Eucharistiefeiern Stärkungen, wenn wir in ihnen erfahren, dass wir durch Jesus Christus erlöst worden sind. Unsere christlichen Gottesdienste haben einen rituellen Ablauf: Es ist uns vertraut, was wir tun. Wir müssen nicht jedes Mal neu darüber nachdenken: Und doch wird uns der Inhalt immer neu bewusst. Erlösung heißt Befreiung, deshalb können uns die Erläuterung zum Passahfest helfen, unsere christliche Mahlfeier bewusster zu feiern.

Wo im Passahfest vom Auszug aus Ägypten berichtet wird, heißt es: Kein Mensch, der in Freiheit lebt, kann ermessen, was es bedeutet, versklavt zu sein. Wir müssen die Erinnerung daran wach halten, damit wir unsere Freiheit nie als selbstverständlich hinnehmen oder es zulassen, dass andere versklavt werden.

Wir denken nach:
Wo sind wir frei und wo fühlen wir uns unterdrückt? Wo unterdrücken wir andere.

Stille

Auch wir fragen: Was bedeutet es für uns, dass Christus für unsere Sünden gestorben ist?

Stille

Fragen zu stellen ist ein Zeichen der Freiheit: Die Freiheit zu erforschen und zu entdecken. Wenn Fragen gestellt werden, kann jeder und jede für sich entdecken, welche Bedeutung die Eucharistiefeier für uns selbst hat.

Wir beten:
Jesus, du hast Mahl gehalten mit den Menschen, die dich auf Deinem letzten Weg begleitet haben. Du willst Mahl halten mit uns. Lass uns in der Gemeinschaft miteinander und mit Dir immer neu erfahren, was gemeinsame Stärkung bedeutet.

Lektorin 3 (liest einmal vor – dann wiederholen alle den Text)
Wir beten mit Gertrud von Helfta:
„Du begründest die Gemeinschaft der Freunde Gottes; … erwirb du mir die Freundschaft Gottes. [7. Buch, 223, 220.] … blicke … auf mich … fülle … meine Armut mit dem Segen deiner Gaben … Siehe, vor dir ist die leere Schale meiner Sehnsucht“. [7. Buch, 227, 269, 270]

Lektorin 1 (liest die Überschrift und anschließend die Bibelstelle)
4. Station: Gang zum Ölberg und Gebet in Getsemani, Mt 26, 30–39
Lektorin 2:
Jesu Weg geht weiter. Er nimmt drei seiner Jünger mit.

Wer geht mit mir meinen Weg? Wer sind im Moment meine engsten Vertrauten?

Stille

Von Jesus heißt es, dass ihn Furcht und Angst ergriffen habe. Auch ich habe manchmal Angst vor dem Sterben. Was tue ich in solchen Momenten?

Stille

„Er sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir. Aber nicht was ich will, sondern was du willst.“ (Mt 14, 39)

Stille

Wir beten:
Gott, auch Dein Sohn hat erfahren, was es bedeutet, grenzenlos verlassen zu sein. Verlassen von allen Freundinnen und Freunden. Jesus bittet um Nachsicht, er bittet darum, dass Leid und Tod ihn nicht treffen möge. Jesus willigt trotzdem in sein Schicksal ein. Lass uns erkennen, was unser Weg ist, wo wir Leid ertragen und hinnehmen müssen und wo und wie wir uns dagegen auflehnen können. Lass uns mit großem Gottvertrauen wie Gertrud von Helfta daran glauben, dass Du unsere Schuld schon hinweg genommen hast und dadurch auffüllst, was uns fehlt.

Lektorin 3 (liest einmal vor – dann wiederholen alle den Text)
Wir beten mit Gertrud von Helfta:
„Den Kelch des Heils werde ich ergreifen. Jesu Kelch werde ich legen auf der Wahrheit leere Waage. So, so möge ich alles, was mir fehlt, auffüllen. Mit jenem Kelch werde ich alles, was bei mir unvollkommen ist, weit übers Angemessene hinaus auffüllen.“ [7. Buch, 217, 96, 100]

Lektorin 1 (liest die Überschrift und anschließend die Bibelstelle)
5. Station: Die Gefangennahme, Mt 26, 47–56

Lektorin 2:

Jesus wird gefangen genommen durch den Verrat eines Freundes. Ist es nicht das, was wir am meisten befürchten, dass Menschen, die wir lieben, uns verraten könnten? Habe auch ich diese Erfahrung schon einmal gemacht?

Stille

Jesus vergibt seinem Freund Judas. Habe auch ich den Menschen vergeben, die mich verraten haben? Kann ich mir selbst vergeben, wenn ich andere verrate?

Stille

Lektorin 3:
Gertrud sagt: „Eia, o Liebe, meinen Jesus, diesen deinen königlichen Gefangenen, den in Fesseln du geschlagen ... (hast).
Den deine Barmherzigkeit, diese Kraft aus deinem Innersten, bewegt hat und bis ins Mark geschwächt: ihn hast du zu dieser Stunde mit so großer Gewalt vors Gericht geschleppt, um ihm aufzubürden die Sünde der ganzen Welt. Dabei hatte er doch nur einen Makel: die Liebe zu mir – nur sie war des Prozesses Grund – und was du eingefordert hast von ihm, meine Schuld. [7. Buch, 217, 101-106]

Lektorin 1 (liest die Überschrift und anschließend die Bibelstelle)
6. Station: Die Verhandlung vor Pilatus, Mt 27, 11–26

Lektorin 2:
„Während Pilatus auf dem Richterstuhl saß, ließ ihm seine Frau sagen: Lass die Hände von diesem Mann, er ist unschuldig. Ich hatte seinetwegen heute Nacht einen schrecklichen Traum.“ (Mt 27, 19)
Pilatus hat eine schwere Entscheidung zu treffen: Soll er Jesus oder Barnabas hinrichten lassen? Seine Frau gibt ihm einen Ratschlag, doch er hört nicht auf sie.
Welche Bedeutung geben wir unseren Träumen? Hören wir auf sie?

Stille

Gertrud von Helfta sieht die Menschen vor Gottes Richterstuhl. Sie nimmt das Gleichnis der Talente als Anknüpfungspunkt (vgl. Mt 25, 27): „Meine Zeit, dies Talent, das mir als Kredit anvertraut, habe ich nicht nur ausgegeben für ein hohles Nichts; ja, ich habe es sogar vertan. … Wohin werd’ ich gehen, wohin werde ich mich wenden, und wohin werde ich vor deinem Angesicht fliehen?“ [7. Buch, 217, 101 -106]
Jesus füllt die Waagschale mit seinem Tod aus Liebe für uns.
Wie verwende ich meine Talente?

Stille

Gott, die Frau des Pilatus hatte einen Traum. Sie nimmt ihren Traum ernst und warnt ihren Mann. Pilatus hat den Rat seiner Frau in den Wind geschlagen. Andere Gesichtspunkte waren für ihn wichtiger, als die Wahrheit eines Traumes. Er hat Jesus hinrichten lassen. Jesu Tod war die Konsequenz seines Lebens. Er ist für seine Botschaft gestorben.
Du hast uns viele Talente anvertraut. Unsere Gaben sind unsere Aufgaben. Lass uns treu zu uns selbst stehen und zu dem stehen, was wir als richtig erkannt haben. Gib uns Kraft, zu unseren Träumen und Visionen zu stehen und sie zu verwirklichen, so gut wir können.

Lektorin 3 (liest einmal vor – dann wiederholen alle den Text)
Wir beten mit Gertrud von Helfta:
„O Wahrheit, Wahrheit, nun sollst du vor … dem Richterstuhl niedersitzen …. und was immer dir gut scheint vorbringen. Nicht fürchten werde ich Übles: ich weiß, ich weiß, dass mich auf keine Art verwirren wird dein Angesicht, denn mit mir ist meine große Hoffnung und mein ganzes Zutrauen … da ich meinen Jesus mit mir habe … er hat auf sich genommen mein Elend, um mir bei dir zu erwirken große Barmherzigkeit.“ [7. Buch, 217, 114- 120 in Auswahl]

Lektorin 1 (liest die Überschrift und anschließen die Bibelstelle)
7. Station: Die Kreuzigung, Mt 27,31b.35.36.45–50.55–56

Lektorin 2:
Jesus geht den letzten Weg zum Kreuz. Nachdem er gekreuzigt wurde, setzten sich die Soldaten hin und warteten auf seinen Tod. Seine Jünger sind geflohen, die Frauen aus Galiläa warten in der Ferne: Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus und des Josef und die Mutter der Söhne des Zebedäus.
Frauen warten. Auf den Tod des Menschen, den sie liebten. Was mögen sie sich dabei gedacht haben?

Stille

Jesus schreit seine äußerste Gottverlassenheit am Kreuz hinaus: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen.“ (Mt 27,46)
Es ermutigt uns, auch in der Verlassenheit das Gespräch mit Gott nicht zu vergessen.

Stille

Gertrud von Helfta sagt: „Du heftest ihn an den Pfahl, ihn, den Lösewert der ganzen Welt. … Du, du erhöhst das Leben aller am Kreuz hoch über der Erde, auf dass in seinem Tod er alles an sich zieht und lebendig macht: alles. [7. Buch, 225, 249. 251]
Und an anderer Stelle formuliert sie:
„Siehe, vor dir steht die leere Schale meiner Sehnsucht“. [Die Übersetzung nach Ringler lautet: „Siehe, vor dir ist meiner Sehnsucht leerer Becher. Gertrud von Helfta, a.o.O., 7. Buch, 227, 270.]

Wir beten:

Gott, Jesus, dein Sohn, ist für uns gestorben. Wir vertrauen darauf, dass dadurch alles Leben in der Welt erneuert wird. Doch oft können wir dies nicht spüren. Wir sind manchmal in der Gottverlassenheit wie Jesus am Kreuz. In uns ist ein Sehnen, das Gertrud ausgedrückt hat in den Worten: Siehe, vor dir steht die leere Schale meiner Sehnsucht.

Wir stellen eine leere Schale in die Mitte, sichtbar für alle.

Wir formen unsere Hände zur Schale der Sehnsucht und erspüren diese Sehnsucht in uns. Wir denken darüber nach, was unsere Sehnsucht stillt.

Lektorin 3
(liest einmal vor – dann wiederholen alle den Text)

Wir beten mit Gertrud:
„Jesus … wie du in dem Blut … mir erwiesen hast gnädige Huld, so richte durch die Kraft deines kostbaren Kreuzes alles, was in meinem Leben zugrunde gerichtet ist, wieder auf für mich. ….. Liebe, verdecke du und bedecke all meine Vergehen. Mach du an meiner Stelle alles, was ich versäumt, wieder gut durch Vermittlung meines Jesus, der sich freiwillig deinem Schiedsspruch ganz und gar überlassen hat.“ [7. Buch, 227, 274 – 279]

Kopiervorlage: Textblatt für die Teilnehmerinnen beim Frauenkreuzweg

EIN FRAUENKREUZWEG NACH DEM MATTHÄUSEVANGELIUM

Die Texte von Gertrud von Helfta werden zu erst vorgelesen, dann lesen alle:

1. Station: Die Salbung in Bethanien -- Mt 26, 6–13
„Öffne mir das Salbgefäß, das bei dir hinterlegt ist, der Liebe Alabasterfläschchen: durch seinen Duft, der Leben ist, soll es aufwecken meinen Lebensgeist, der durch so vieles taub geworden ist.“
Salbung: Jede zeichnet der Nachbarin mit dem Daumen ein Kreuz in die Handfläche oder auf die Stirn – dabei wird folgender Text gesprochen:
„Meine Sinne, salbe sie ganz und gar, dass ich ganz mich wandle. Wecke meine Lebensgeister aus ihrer Mattheit und Betäubung, so wie in der Zeit des Frühlings die unfruchtbare Erde sich wandelt und neu wird“. [7. Buch 221, 184-190]

2. Station: Die Vorbereitung des Passahmahles -- Mt 26, 7–19
„O innige Liebe, mir … bereite du in dir einen Platz, an dem ich finde Rat, ein Nest der Zuflucht, wo … mein Geist und Atem entspannt zur Ruhe kommen kann“. [7.Buch, 229, 314 – 316] „Hier stehe ich und habe an Verdiensten … großen Mangel: siehe, ich komme nun, ich komme… öffne mir die Stätten, wo ich bei dir sicher wohne …“ [7.Buch, 213, 33, 40.]

3. Station: Das Passahmahl -- Mt 26, 26–29
„Du begründest die Gemeinschaft der Freunde Gottes; … erwirb du mir die Freundschaft Gottes. [7. Buch, 223, 220.] … blicke … auf mich … fülle … meine Armut mit dem Segen deiner Gaben … Siehe, vor dir ist die leere Schale meiner Sehnsucht“. [7. Buch, 227, 269, 270]

4. Station: Gang zum Ölberg und Gebet in Getsemani -- Mt 26, 30–36
„Den Kelch des Heils werde ich ergreifen. Jesu Kelch werde ich legen auf der Wahrheit leere Waage. So, so möge ich alles, was mir fehlt, auffüllen. Mit jenem Kelch werde ich alles, was bei mir unvollkommen ist, weit übers Angemessene hinaus auffüllen.“ [7. Buch, 217, 96, 100]

5. Station: Die Gefangennahme -- Mt 26, 47–56
Gertrud sagt. „Eia, o Liebe, meinen Jesus, diesen deinen königlichen Gefangenen, den in Fesseln du geschlagen ... (hast). Den deine Barmherzigkeit, diese Kraft aus deinem Innersten bewegt hat und bis ins Mark geschwächt: ihn hast du zu dieser Stunde mit so großer Gewalt vors Gericht geschleppt, um ihm aufzubürden die Sünde der ganzen Welt. Dabei hatte er doch nur einen Makel: die Liebe zu mir – nie sie war des Prozesses Grund – und was du eingefordert hast von ihm, meine Schuld. [7. Buch, 217, 101-106]

6. Station: Die Verhandlung vor Pilatus -- Mt 27, 11–26
„O Wahrheit, Wahrheit, nun sollst du vor … dem Richterstuhl niedersitzen …. und was immer dir gut scheint vorbringen. Nicht fürchten werde ich Übles: ich weiß, ich weiß, dass mich auf keine Art verwirren wird dein Angesicht, denn mit mir ist meine große Hoffnung und mein ganzes Zutrauen … da ich meinen Jesus mit mir habe … er hat auf sich genommen mein Elend, um mir bei dir zu erwirken große Barmherzigkeit.“ [7. Buch, 217, 114- 120 in Auswahl]

7. Station: Die Kreuzigung -- Mt 27, 31b.35.36.45–50.55–56
„Jesus … wie du in dem Blut … mir erwiesen hast gnädige Huld, so richte durch die Kraft deines kostbaren Kreuzes alle, was in meinem Leben zugrunde gerichtet ist, wieder auf für mich. ….. Liebe, verdecke du und bedecke all meine Vergehen. Mach du an meiner Stelle alles, was ich versäumt, wieder gut durch Vermittlung meines Jesus, der sich freiwillig deinem Schiedsspruch ganz und gar überlassen hat.“ [7. Buch, 227, 274 – 279]